Interviews
Shinedown Interview #2 mit Ben Foitzik
Shinedown #2
Shinedown sind jetzt „stärker als je zuvor“, behauptet Brent Smith. Wie es zum existenzbedrohenden Mitgliederwechsel kam, warum sich die „Neuen“ perfekt in die Band eingefügt haben und „The Sound of Madness“-Produzent Rob Cavallo brillant ist, klärt der zweite Teil unseres ausgedehnten Intimgesprächs. Ach ja: Das Ergebnis des internen „Wer hat den romantischsten Heiratsantrag gemacht?“-Battles wird hier ebenfalls preisgegeben!
Die zweite Single eures neuen Albums “The Sound of Madness” ist “Second Chance” – hast du das Gefühl eine zweite Chance bekommen zu haben? Geht es im Song eher darum, eine zweite Chance zu geben oder sie zu bekommen?
Brent: „Second Chance“ handelt von etwas, über das ich viele Jahre nur sehr schwer reden konnte.
Ups, sorry.
Brent: Nein, ist schon okay, ich habe ja letzten Endes drüber geredet. Mir ist aufgefallen, dass viele verschiedene Leute viele verschiedene Dinge in diesem Stück sehen, aber für mich persönlich war das einer der schwierigsten Songs, zu dem ich je Wörter geschrieben habe, weil es darin um die Beziehung zu meinen Eltern geht. Ich wollte schon seit meiner Kindheit ein Musiker, ein Sänger und Songwriter sein, doch meine Familie hat das nie wirklich verstanden. Es war nicht so, dass sie mich davon abbringen wollten – sie haben es schlichtweg nicht verstanden. Aber versteh mich nicht falsch, meine Eltern sind heute meine größten Fans. Der Song handelt von der zweiten Chance für mich – eines Tages bin ich nämlich einfach so aus meiner Heimatstadt verschwunden. Ich wusste, wenn ich meine Träume verwirklichen wollte, musste ich mich dort aus dem Staub machen, da ich es dort nie zu etwas gebracht hätte. Und dieser Abschied war meine zweite Chance.
Du bist einfach so abgehauen?
Brent: So war es. Wenn man gefangen hat – ob in einer Umgebung, einer Beziehung oder in etwas, das man sich selbst antut, obwohl man weiß, dass es schlecht für einen ist – muss man manchmal eben einfach sein Zeug packen und Reißaus nehmen. Um sein Leben zu verändern, weil man ein besseres haben will. Und diese Chance bekommt man wahrscheinlich nur einmal in seinem Leben, denn neun Leben haben nur die Wenigsten. In „Second Chance“ geht es also darum, eines Morgens aufzuwachen und das zu verfolgen, was man tun muss, um sein Leben besser zu machen. Für mich war das der Tag, an dem ich auszog, das zu werden, was ich werden wollte.Eric: Für mich ist das ein Song, dessen Botschaft man unterschiedlich interpretieren kann. Für jeden kann er etwas anderes bedeuten. Und genau das macht für mich einen wirklich großartigen Song aus – dass er bei den Menschen unterschiedliche Gedanken und Gefühle auslöst. „Second Chance“ kannst du auf verschiedene Situationen in deinem Leben anwenden: Ein Abschied kann eine zweite Chance für eine Liebesbeziehung oder die Verbindung zu den Eltern sein.
Brent: Oder dass man sich von einer Sucht verabschiedet – all diese Dinge.
Brent wollte also schon immer Sänger werden – wolltest du auch immer Bassist sein, Eric?
Eric: Ich wollte eigentlich immer Musiker sein.
Brent: Er ist nicht nur unser Bassist! Er ist alles Mögliche (lacht). So sieht es aus: Du kannst ihn nicht nur unseren Bassisten nennen, du musst ihn unseren Lead-Bassisten nennen! (beide lachen). Das ist ein Insider-Joke.
Eric: Genau wie Brent wollte ich schon immer auf der Bühne stehen und mir damit meinen Traum erfüllen. Und ich habe es gemacht. Ich habe ja bereits Gitarre und Piano gespielt, aber in den vergangenen Jahren hat mich der Bass einfach mehr angesprochen. Ich liebe es, wollte schon immer Bassist werden und habe geübt und geübt um besser zu werden und meine Gedanken ans Gitarrespielen zu vergessen.
Man kann also sagen, dass du absichtlich ein schlechterer Gitarrist geworden bist.
Eric: (Lacht) Ganz genau so könnte man das sagen.
Und wie bist du zu Shinedown gekommen?
Eric: Ich bin seit fünf Jahren Musikproduzent und kannte Steve, den A&R-Manager von Barry und Brent, und er sagte, dass wir gut zusammenpassen würden. Und es war wirklich so, als hätten wir uns schon immer gekannt, es hat einfach ‚klick’ gemacht. Als ich die Jungs getroffen habe, habe ich gesagt „Ich weiß, dass ihr einen Bassisten sucht – ruft mich einfach an!“ Das haben sie gemacht und wir sind richtig dicke Freunde geworden.
Brent: Es sah doch so aus damals: Die Band war in einer Situation, in der sich alles änderte. Ich kann nur für mich und Barry sprechen, aber für uns war die Band in ihrer Urbesetzung eine tickende Zeitbombe. Wenn man den Niedergang dessen erlebt, was man selbst geschaffen hat, dann ist das wie ein Albtraum. Und da wir gerade dabei waren, das beste Album unserer Karriere zu schreiben, wollten wir Shinedown auf keinen Fall sterben lassen. Ich kann euch garantieren, dass es noch viele weitere Alben geben wird, aber bis dato ist „The Sound of Madness“ definitiv das, auf das wir am stolzesten sind.
Wie habt ihr nach „Ersatz“ gesucht?
Brent: Als es darum ging, dieses Ding namens Shinedown wieder aufzurichten, gab es keine großen Castings mit Hunderten von Gitarristen und Bassisten, die in einer Schlange vor einem abgelegenen Lagerhaus warteten, in dem ein Geheim-Jam stattfand. Das waren unsere Freunde – Eric war der perfekte Bassist, Nick der perfekte Gitarrist und Zack der perfekte Rhythmusgitarrist. Wir haben uns alle in einem Raum in Orlando, Florida, zusammengesetzt, um sie anzuhören. Und wenn jemand nach zwei Wochen aufschlägt und alle deine Songs spielen kann, dann weißt du, dass er mit ganzem Herzen dabei ist. Für mich persönlich war das entscheidend, weil es mir gezeigt hat, wie sehr sie das machen wollten. Das hat einfach von vorne bis hinten gepasst. Und, ganz ehrlich, diese Besetzung hätte es vom ersten Tag an sein sollen. Manchmal muss man im Leben Veränderungen vornehmen, und manchmal muss man sterben, um wiedergeboren zu werden. Es gab bei Shinedown also wirklich etwas, das sterben musste, damit wir wieder ins Leben zurückkehren konnten. Jetzt ist die Band komplett und stärker als je zuvor.
Die „Neuen“ haben aber nicht am Songwriting teilgenommen?Brent: Wir waren gerade in der Mitte des Albums und ich hatte eigentlich schon das gesamte Material geschrieben und als Demo aufgenommen. Zu der Zeit versuchten wir gerade, die Freundschaft zu einem anderen Bandmitglied zu retten – ich will da jetzt nicht ins Detail gehen –, aber das funktionierte einfach nicht. Darum hangelten wir uns erst mal mit Studio-Musikern, ebenfalls Freunde, immer ein Stück weiter. Wie das Album entstanden ist, war letztlich ziemlich verrückt. Die neuen Bandmitglieder konnten aber nicht aktiv an seiner Entstehung teilnehmen, da wir mitten in der Aufnahme waren und das einfach zu Ende bringen mussten. Als es dann fertig war, haben Barry und ich uns angeguckt und gefragt ‚Okay, was machen wir jetzt?’ Zu dem Zeitpunkt hatten wir nämlich keine Band. Wir hatten ein neues Album, aber wir standen alleine da. Nachdem das Album fertiggestellt war, haben Nick, Eric und Zach im Prinzip Shinedown gerettet. Was sie gemacht haben, war bei weitem schwieriger, als ins Studio zu gehen und ein Album einzuspielen. Sie mussten die Band neu definieren.
Vielleicht ein paar Worte zu eurem Produzenten Rob Cavallo. Der Mann hat eine eindrucksvolle Vita – seid ihr stolz, dass ihr nun in einer Reihe mit Bands wie Green Day, Kid Rock oder My Chemical Romance steht, die er ebenfalls schon produziert hat?
Brent: Ich habe Rob Cavallo erstmals getroffen, als ich schon Teile von „The Sound of Madness“ schrieb. Er wollte ein Treffen mit mir, und ich hatte keine Ahnung, wer er überhaupt war. Zehn Monate später trafen wir uns wieder, nachdem er alle Demos durchgehört hatte. Ich kann mich noch an das Frühstück vor diesem Treffen erinnern – ich sagte ‚Mann, ich habe noch nicht mal über mögliche Produzenten für das Album nachgedacht!’, und unser A&R-Manager meinte nur ‚Okay, Brent, Rob hat „American Idiot“ und „Dookie“ von Green Day gemacht, er hat die letzte My Chemical Romance gemacht, er hat „Dizzy Up The Girl“ von den Goo Goo Dolls gemacht, gerade Kid Rocks neues Album abgeschlossen und schon mit Phil Collins und Lindsey Buckingham von Fleetwood Mac zusammengearbeitet!’ Und dann arbeitete er die ganze lange Liste ab.
Hat dich das beeindruckt?Brent: Das soll nicht respektlos klingen, aber ich sagte darauf nur ‚Das ist ja ganz hervorragend – mich interessiert keine dieser Bands!’ (lacht). Nichts gegen diese Bands, aber es ist mir nicht wichtig, welche Bands ein Produzent in seiner Vita stehen hat. Er muss ein Typ sein, der versteht, wie sich das Ganze anhören soll. Natürlich lege ich auch wert auf seine Meinung, will aber sichergehen, dass er auch mir zuhört. Und das hat Rob gemacht, er ist verdammt noch mal brillant! Noch nie habe ich einen Produzenten so arbeiten sehen, sondern habe es schon oft erlebt, dass sie aggressiv und wirklich gemein zu den Musikern sind: ‚Warum kriegst du diesen Part nicht hin, warum kannst du das nicht vernünftig spielen? Du bist scheiße!’ Sie benutzen diese Taktik und denken, dass das motivierend ist. Aber Rob hat einen anderen Ansatz gewählt, er war durch die Bank weg positiv. Und wenn er gemerkt hat, dass wir etwas nicht sofort hinbekommen haben, dann hat er uns trotzdem aufgebaut: ‚Du machst einen guten Job, aber lass uns mal einen anderen Song angehen und wir kommen später wieder hierhin zurück.’ Er hatte immer im Kopf, dass er das Beste aus uns rausholen, uns aber mit Respekt behandeln wollte. Und in dieser Arbeitsumgebung hatten einfach alle Spaß. Rob ist immer noch in die Musik verliebt – er ist ein gewitzter Geschäftsmann, aber als Produzent ist er immer noch ein Kind, das die Musik liebt. Jeden Tag verliebt er sich wieder in sie.
Apropos Liebe – bist du eigentlich ein Romantiker?
Brent: Würde ich so sagen, ja. Du meinst mit den Ladies?
Na ja, man liest, du hättest deiner Holden auf der Bühne vor großem Publikum die entscheidende Frage gestellt.
Brent: Stimmt, ich habe meiner Verlobten in unserer beider Heimatstadt bei einem Konzert einen Antrag gemacht. Wir kennen uns seit 13 Jahren und sind seit etwa sechs Jahren zusammen. Wir haben einen kleinen Jungen...
...der tatsächlich "Lyrics" heißt?
Brent: Lyrics Santana Smith.
Und das ist so... weil du Sänger bist und Lyrics schreibst?
Brent: Ashley, meine Verlobte, hat sich das ausgedacht. ‚Lyric’ bedeutet ‚gefühlvoll’ und ‚Santana’ heißt ‚heilig’. Bedauerlicherweise bleibt er auf ‚Smith’ sitzen (lacht), daher dachten wir uns, das wir ihm einen total coolen Vornamen geben sollten. Und was den Antrag auf der Bühne anbelangt – es war einfach an der Zeit, es zu tun. Und ich dachte mir: Was wäre wohl ein besserer Ort als auf der Bühne in unserer Heimatstadt? Unsere Eltern waren dort, und es hat einfach alles gepasst. Von daher bin ich wohl ein Romantiker.
Was ist mit dir Eric, bist du romantisch?
Eric: Hoffnungslos, ja.
Du hast aber keinen Antrag auf der Bühne gemacht?
Eric: Nein, ich hab’s am Strand gemacht.
Auch schon unter der Haube?!Eric: Jawohl, ich habe meiner Frau am Strand einen Antrag gemacht, an dem Ort, wo wir uns zum ersten Mal getroffen hatten. Das war auf einer Insel in der Nähe meiner Heimatstadt, und wir haben viele Nächte an einem bestimmten Platz am Strand verbracht und geredet. Als Freunde – erst später haben wir mit dem Daten angefangen. Danach haben wir dort oft die Ferien verbracht, und an Weihnachten hab’ ich es getan...
Brent: Oh Mann, das lässt meinen Antrag ja dermaßen alt aussehen!
Eric: Tja, ich bin eben verdammt romantisch. Das hab’ ich von meiner Mama.
Interview: Ben Foitzik